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Schnee von heute

Schnee von heute

Rund 30 Anwesende waren am 25. Oktober vor Ort, um sich zum Thema Museum und Tourismus zu informieren. Vorgestellt wurde einerseits die Position von Thurgau Tourismus, andrerseits jene der Museumsschaffenden; gesucht wurden Berührungspunkte und mögliche Partnerschaften der beiden Akteure.

Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus TGT, beeindruckte das Publikum mit einer aussergewöhnlichen Zahl: 70 Millionen. So viele Tagestouristen empfängt die Bodensee-Region jährlich. Das sind, laut Müller, mehr als Venedig oder Barcelona ausweisen. Und auch im Corona-Jahr 2021 wird wieder ein Rekordergebnis erwartet. Während rund 60 Prozent dieser Besuche auf Deutschland entfallen, betreffen immerhin 20 Prozent die Schweiz. Der Thurgau, so Müller, kommt bei Reisenden gut an, habe aber sein Potential noch nicht ausgeschöpft.

Gezielte Förderung
Zur Strategie des Tourismusmarketings, das TGT im Auftrag des Kantons umsetzt, gehört deshalb die gezielte Förderung von Destinationen. Förderung bedürfen insbesondere die See-fernen Regionen, die vom Tourismus noch weitgehend unentdeckt seien, so Müller. Und hier kommen die Museen ins Spiel: Sie können zu Anziehungspunkten werden, indem sie zeitgemässe Angebote schaffen und Kulturvermittlung zu einem echten Erlebnis werden lassen. Denn, sagt Müller - und zitiert einen Branchenkenner -, Kultur sei der neue Schnee der Schweiz. Diesen Schnee gilt es zu entdecken, etwa auch im Hinterthurgau, wo Müller ein grosses Potential in der Vermittlung von Industriegeschichte sieht.

Leuchttürme und Visionen
Neben den Leuchttürmen im Kanton, wie etwa Arenenberg, Ittingen oder Fischingen, nennt Müller das MoMö oder das House of Digital Art. Diese verstünden, mit modernen Mitteln auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Handlungsbedarf sieht er bei den Öffnungszeiten und der Zugänglichkeit von Museen, die oft nicht sehr gästefreundlich seien, aber auch bei der Informationsvermittlung und bei der Führungsorganisation. Hier wünscht er sich mehr Benutzerfreundlichkeit und digitale Buchungsmöglichkeiten. Zudem würden die Museen die Möglichkeit von Kooperationen und Synergien zu wenig nutzen. Seine Vision für eine zukunftsfähige Museumsentwicklung beinhaltet deshalb sowohl die Nutzung digitaler Technologien der Informationsvermittlung als auch ganz das ganz sinnliche Erlebnis: Warum nicht Schlafen im Museum?

Rückgewinnung von Publika
Dominik Gügel kann als Direktor des Napoleonmuseums auf langjährige Erfahrung im Umgang mit Tourismusfragen zurückgreifen. Denn der Arenenberg selbst ist seit 1827 ein Ausflugsziel am Bodensee. Dennoch hat man auch hier um Publikum zu kämpfen. Während man in den 1980er noch jährlich bis zu 80'000 Museumseintritte erreichte, brachen die Zahlen in den 90ern auf unter 20'000 ein. Was war geschehen? Car-Reisende blieben aus – sie hatten andere Ziele gefunden.

Seither bemüht man sich auf der Grundlage einer Stärken-Schwächen-Analyse um Rückgewinnung des Publikums. Dieses besteht heute in der Hauptsache aus deutschen (72 %) und Schweizer (22 %) Besucherinnen und Besuchern. Bei Gruppen zeigt sich ein anderes Bild: Da stehen Zweidrittel Besuchende aus der Schweiz einem Drittel aus Deutschland gegenüber. Dominik Gügel betont, wie wichtig es sei sein Publikum zu kennen. Mittels Befragung wurde eruiert, dass die Mehrheit der Gäste den Arenenberg aus allgemeinbildendem Interesse besucht. An zweiter Stelle steht geschichtliches Interesse, gefolgt von Interesse am Park, an der Dauerausstellung und schliesslich an der Sonderausstellung.

Kooperationen als A und O
Um mehr Publikum zu generieren führt, laut Dominik Gügel, kein Weg an Kooperationen vorbei. Dabei dürfe man keine Berührungsängste zeigen. Er rät, mit der lokalen Gastronomie zusammenzuarbeiten und den Kontakt zu TGT zu suchen. Aber auch inhaltlich gilt es, nach Partnern zu suchen. Als Beispiel nennt er die im Napoleonmuseum für 2023 geplante Sonderausstellung im Zusammenhang mit dem 150. Todestag Napoleons III. Hier ergäben sich Bezüge auf unterschiedlichen Ebenen, etwa zum Naturmuseum Frauenfeld, zum Museum für Archäologie, zu den Schlössern Salem und Mainau (D) und sogar nach Österreich zu Schloss Esterházy in Eisenstadt. Wichtig ist, diese Bezüge zu erkennen. Für Dominik Gügel steht fest: «Der Thurgau steckt voller Kultur, wir sollten etwas daraus machen.»

 

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